Zwiebel-Sortenversuche gestartet

Am 15. und 16. April haben wir die Zwiebel-Sortenversuche in den Betrieben
dein Hof – Solidarische Gemüsekoop Dresden und der Biokräuterei Oberhavel
angelegt. Beide Betriebe arbeiten als Solawi und versorgen jeweils rund 220 Mitglieder mit Gemüse. Sie wirtschaften auf leichten Böden und bieten ideale Bedingungen, um Sorten unter realen Praxisbedingungen zu prüfen.

Im Rahmen unseres Resilienzprojekts prüfen wir ausgewählte Sorten aus dem Netzwerk auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber klimatischen Stressfaktoren.

Im Fokus der Prüfung bei Zwiebel (Allium cepa) steht:

  • Trockenheit und Hitze
  • Falscher Mehltau
  • Schädlinge wie Thripse und Zwiebelfliege

Zwiebeln besitzen ein flaches Wurzelsystem und reagieren daher empfindlich auf Trockenheit. Gleichzeitig ist die Kultur in der Phase der Zwiebelbildung hitzeempfindlich. Extreme Witterungsbedingungen erhöhen zudem das Risiko für Krankheiten (insbesondere Falscher Mehltau) und Schaderregerbefall (Thripse , Zwiebelfliege).


Vielfalt im Versuch: Potenziale alter Sorten erschließen
Im Versuch werden vier Zwiebelsorten aus dem Netzwerk geprüft, die im
ZENPGR als erhaltenswerte „Rote-Liste-Sorten“ identifiziert wurden. Sie werden seit 2022 von den Samenbaubetrieben im Netzwerk erhaltungszüchterisch bearbeitet und vermehrt. Zum Vergleich werden sie in den Sortenversuchen gemeinsam mit einer samenfesten Sorte für den ökologischen Erwerbsanbau angebaut (‘Bajosta’, ‘Robelja’).

Die Sorten im Versuch

Rote Zwiebelsorten

‘Frühe Blassrote’
Eine traditionsreiche Sorte aus Erfurt, erstmals 1953 beschrieben.
Sie zeichnet sich durch ihre ungewöhnlich blassrote Farbe, eine flachrunde Form aus.
Erhalterin: dein Hof

‘Holländische Blutrote’
Eine bereits 1905 in historischen Quellen beschriebene, tief dunkelrote Sorte mit attraktiver, fester Schale.
Erhalterin: Saatgut und Permakulturgarten Alt Rosenthal

Gelbe Zwiebelsorten

‘Mailänder’
Eine italienische Sorte aus der Lombardei mit attraktiver, kreisrunder Form. In Deutschland wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts vom Samenhaus Benary vertrieben.
Erhalter: VERN e.V.

‘Up to date’
Eine gelbe runde Zwiebel  aus England mit historischer Beschreibung aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Erhalter: Keimzelle e.V.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Sorten gibt es in den Sortensteckbriefen.

Die Zwiebeln wurden als Jungpflanzen (4–7 Pflanzen pro Topf) gepflanzt. Dieses Anbausystem ermöglicht eine freie Sortenwahl durch eigene Anzucht und führt im Vergleich zu Steckzwiebeln zu einer besseren Lagerfähigkeit.

Vielfalt sichtbar machen

Die Zwiebel bietet eine beeindruckende Vielfalt, die im Handel oft kaum sichtbar ist. Besonders in der Direktvermarktung liegt hier großes Potenzial: Außergewöhnliche Sorten mit unterschiedliche Farben und Formen und Geschmäckern können das Sortiment sehr bereichern.